Wie in Shuniya Zuversicht entsteht

12.12.2025

Shuniya kommt aus dem Sanskrit und kann übersetzt werden mit "Leere", "Leerheit", "Null-Zustand". Dies bedeutet nicht, dass Erscheinungen nicht existieren, sondern dass sie substanzlos sind und allein nicht existieren können. Buddha lehrte die Leerheit aller Dinge, darunter auch des Leidens und des "Ich". Wenn er vom Göttlichen als Shuniya sprach, meinte er damit nicht seine Nicht-Existenz, sondern vielmehr, dass das Göttliche grenzenlos-bedingungsfrei sei und sich beständig wandele. Shuniya ist ein unendlicher Raum des Bewusstseins, in dem nichts von Solidität zu finden ist. Alles bewegt sich und vergeht. Das heißt, dass wir uns an nichts festhalten und uns mit nichts identifizieren können - das "Ich" löst sich auf. Es ist ein wunschloser Zustand des tiefen Gleichmuts und absoluten Erkennens, der beinhaltet, dass alle Probleme, die jemals waren oder sein werden, gelöst sind. Wir können zu dieser Leere nur Zugang finden, wenn wir uns von festen Konzepten lösen und die leere, vernetzte Natur der Existenz begreifen.

Im Matrimandir in Auroville durfte ich einen tiefen Shuniya-Zustand erleben. An heiligen Stätten oder Orten, an denen viel meditiert wird, kann es sehr leicht gehen, in Shuniya zu versinken.
Im Matrimandir in Auroville durfte ich einen tiefen Shuniya-Zustand erleben. An heiligen Stätten oder Orten, an denen viel meditiert wird, kann es sehr leicht gehen, in Shuniya zu versinken.

Im Kundalini Yoga bedeutet Shuniya einen Zustand des Nicht-Denkens, der inneren Stille und der Neutralität. Wenn die Gedanken ruhig sind, wird unsere Wahrnehmung verfeinert, unsere Intuition gestärkt. Wir erhalten Zugang zur Unendlichkeit, statt verhaftet zu sein in unseren unbewussten Gedankenmustern und Ego-Strukturen. In Shuniya tauchen wir nicht nur in unsere eigene Intuitivität ein, sondern verschmelzen mit der höheren Intuition und einer vertieften Wahrnehmung. In diesem Zustand gibt es nichts mehr zu erreichen oder werden zu wollen - es geht einfach nur darum, zu SEIN und das Universum als Strom des Bewusstseins zu erfahren.


Um Shuniya zu erlangen, dürfen wir also alle vorgefertigten intellektuellen Worte, Ideen und Schubladen und auch unsere Sinneswahrnehmungen (Pratyahar) hinter uns lassen. Wenn alle Zwiebelschichten des Denkens, der Körper- und Sinneswahrnehmungen abfallen bleibt: NICHTS. Diese Leere ist das große Unbekannte, vor dem wir genauso Angst haben wie vor einem Schwarzen Loch und dem Tod. Was passiert dort? Wer sind wir, wenn alles Vergängliche von uns abfällt und sich das "Ich" auflöst? Um die Antworten auf diese Fragen zu erhalten, gibt es nur einen Weg: wir müssen uns selbst dorthin begeben, auch wenn es Angst auslöst. Wenn wir einmal in diesem unendlichen Raum sind, verschwindet die Angst, denn diese Leere ist unveränderbar und damit auch unzerstörbar. Wir fühlen uns angekommen – still, neutral, ruhig, harmonisch, frei von mentalen Filtern und emotionaler Verzerrung. Probleme entlarven sich als reine Projektionen unseres Geistes und das Individuum taucht wie ein Wassertropfen in den Ozean der umfassenden Schöpfung ein. Dann werden wir zur "Null" und kommen in Harmonie in uns, mit uns und dadurch mit dem Göttlichen. Von Shuniya gibt es keine Steigerung; es ist ein ultimativer und unveränderbarer Zustand - ewig- unendlich, die ultimative Verschmelzung mit dem Göttlichen in uns, eine Erfahrung jenseits des Denkens und der Dualität. Der Weg, um dorthin zu gelangen, ist Meditation.


Die Erfahrung von Shuniya zeigt uns, dass wir mittels unseres Bewusstseins die Welt selbst kreieren und sie auch jederzeit verschwinden lassen können, wenn wir Ruhe haben wollen. Nach der Meditationserfahrung dieser Leere kehren wir wieder ins Alltagsbewusstsein zurück, aber mit der Erkenntnis, dass sich unser Weltbild und unsere Ich-Vorstellung verändert haben. Wir haben erfahren, dass wir nicht getrennt sind und frei sein können von Besitzdenken und Anhaftungen. In diese Freiheit des Universellen können wir mittels Meditation jederzeit wieder eintauchen, da Shuniya immer verfügbar und unveränderlich ist.


Im Sat Nam Rasayan und anderen meditativen Heiltechniken nutzen wir Shuniya, um andere zu heilen, denn der Null-Zustand verbindet uns mit der Quelle. Vollkommene Akzeptanz von allem, was ist, Nicht-Denken und Nicht-Wollen führen zu purer Entspannung und Heilung - für uns selbst und andere in unserem Feld. Wir vergessen uns selbst, der Unterschied zwischen "Mir" und "Dir" löst sich auf. Wir werden zum Kanal für eine höhere Kraft, die uns und anderen Zuversicht spendet und fühlen uns danach aufgeladen, erfrischt, angebunden und in tiefem Frieden.

Les in Bali - ein Kraftort
Les in Bali - ein Kraftort